LISBOA 2

Lisboa, Rua Morais Suares 134 -

 

 

 

Die siebzehnte Woche unserer Reise: Montag, 25. Februar bis Montag, 04. März 2019 -

 

 

 

Die vergangene Woche erscheint mir im Rückblick wie ein bunt bestückter Obstkuchen, geschnitten in vier gleich große Stücke, geschmückt und verfeinert mit einer Sahnehaube.

 

Das erste Stück: An jedem Tag sind wir dreimal zur Alameda hinüber spaziert (portugiesisch: ein mit Bäumen umsäumter Platz). Hierhin führten wir unseren Hund Coco aus stoffwechselbezogenen Gründen und um Kontakte zu pflegen, die Coco mit anderen Hunden und wir mit den dazugehörenden Menschen geknüpft haben. Wir leben uns im Stadtviertel Arroios ein. Auf diesen Wegen wurde die alte Markthalle, der Mercado de Arroios zu unserem Dreh- und Angelpunkt (das Gebäude ist rund und hat uns täglich mehrere Male mit seinen Marktständen, Bars und Restaurants an der Angel).

 

Das zweite Stück: Bis zum Wochenende habe ich viel gemalt. Abgesehen von den Skizzen, von denen einige auf der Startseite der Website zu sehen sind, hat mich mein Beitrag zur Frühjahrsausstellung der Künstlerkolonie TUSCULUM sehr beschäftigt. Zwischendurch gönnte ich mir den Genuss der erlesenen und sensationellen Gemäldesammlung des Museums Calouste Gulbenkiam (www.gulbenkian.pt/museu/en).

 

Das dritte Stück und die Sahnehaube: Nachdem die Arbeit erledigt war, hatte ich Zeit für meinen Sohn Felix, der seit dem 01. März bei uns wohnt ... und Portugiesisch spricht. Gemeinsam mit Uta und Coco tauchten wir tief in Lisboas kulturelle und politische Geschichte ein. Dabei wurden wir von dem Unternehmen „we hate tourism tours“ unterstützt (www.wehatetourismtours.com). Hinter dem provokanten Namen steht eine Philosophie, die scharf zwischen Tourismus und Reisen unterscheidet („Kommen Sie nicht, um wegzukommen oder etwas anderes zu sehen. Kommen Sie nach Lisboa (oder irgendwo anders auf der Welt), um eine bessere Person zu sein als Sie jetzt sind“). Unser Führer Miguel informierte uns kritisch und sehr unterhaltsam – u.a. über den Wandel der vergangenen 10 Jahre von einer heruntergekommenen und armen Stadt (die sie noch immer für die Menschen ist, die hier leben) zu einem hochglanzpolierten Sightseeing-Objekt. Seitdem die Altstadt von Lisboa restauriert wurde und nun von Wirtschaftsunternehmen kommerziell ausgebeutet wird, gibt es im Stadtzentrum keine Einwohner mehr. Miguel und seine Mitarbeiter stellen sich gegen den Themenpark und die künstliche Seite dessen, was Lisboa wird („Wir sind mehr als Fado, Pasteis de Nata und Sardinen in einer Dose“) und zeigen eine lebendige Stadt - besonders beeindruckend fanden wir die allgegenwärtige Graffiti- und Straßenkunst. Einen Teil der erwirtschafteten Einkünfte investiert das Unternehmen in soziale und umweltpolitische Projekte, z.B. für Elektrofahrräder oder Straßenreinigung.

 

Das vierte Stück: Am letzten Sonntag haben wir uns in der LX FACTORY umgesehen (www.lxfactory.com), einem historischen Fabrikgelände direkt unter der den Fluss Tejo überspannenden Brücke, die seit der Nelkenrevolution 1974 Ponte 25 de Abril heißt. Hier entwickeln seit gut 10 Jahren kreative Unternehmen ihre Konzepte und bieten Produkte und Dienstleistungen an. An diesem Ort haben wir die Künstler Tetyana Chkyrya und Pedro Araújo kennengelernt (patc-atelier.weebly.com), die uns mit ihren wunderschönen Kacheln bezauberten. Sie verwenden alte Techniken und Motive und bieten auch Workshops und Kurse an.