EIRE 2

Stillorgan, Dublin, Eire

 

 

 

Die einundvierzigste Woche unserer Reise: Montag, 12. bis Montag, 19. August 2019 –

 

 

 

Die grüne Insel: hier wächst so gut wir jede Pflanze, die weiten Sandstrände sind fast immer menschenleer, ein Traumland … wenn die Menschen hier statt neue Häuser zu bauen, ihre alten erhalten würden. Wie fast überall auf den britischen Inseln sind auch in Irland Hunde in Gaststätten selten gerne gesehen. Wenn wir mit Coco um Einlass baten, wurden wir zumeist abgewiesen oder zum Passiv-Rauchen eingeladen. Eine erfreuliche Ausnahme fanden wir in The Dog House Blues Tearoom Restaurant in Howth bei Dublin an der irischen Ostküste. Hier speisten wir vorzüglich gemeinsam mit zahlreichen Hunden und ihren Haltern bei kerniger Live-Musik (an diesem Abend wurde das 50jährige Gründungsjubiläum der irischen Band Thin Lizzy gefeiert).

 

Dublin, die große Stadt der Dichter, Maler und Musiker schenkte uns wärmere, meist sonnige Tage; an der irischen Ostküste regnet es deutlich weniger als im Westen. Einige wenige Regenschauer gingen draußen nieder, während wir das Irish Museum of Modern Art (IMMA) besuchten. In einer der aktuellen Präsentationen, „A Vague Anxiety“, setzen sich unterschiedliche KünstlerInnen mit aktuellen gesellschaftlichen Gefährdungen wie Klimaerwärmung, politischem Rechtsruck oder der Digitalisierung von Intimität auseinander. Berührend fand ich dabei Cristina Bunellos Gemälde. Sie zeigen reale oder imaginierte Mädchen, die nicht sehen können, oder ihr Gesicht vom Betrachter abwenden. In jedem der Ausstellungsräume fungieren sie so als „blinde“ Zeugen der von anderen KünstlerInnen dargestellten Gefährdungen (imma.ie/artists/cristina-bunello/).

 

Im gleichen Haus, dem ehemaligen Royal Hospital in Dublins Stadtmitte gelegen, erlebte ich eine besondere Überraschung: bis zum Jahr 2021 beherbergt das Museum eine Sammlung von 52 Werken eines meiner Lieblingskünstler, Gemälde und Radierungen von Lucian Freud. Seit 2016 präsentiert das IMMA in jedem Jahr eine neue auf Lucian Freud bezogene Ausstellung – 2019 die Show „Life above Everything: Lucian Freud and Jack B. Yeats“. Die Ausstellung stellt Werke beider Künstler gegenüber und untersucht ihre Verbindungen und Bezüge. Beide Männer waren erfolgreich und bekannt – Freud als zeitgenössischer britischer Maler (1922-2011) - Yeats als einer der wichtigsten Repräsentanten der irischen Malerei von der Jahrhundertwende bis zu seinem Tod 1957. Beide Künstler galten zu ihrer Zeit immer wieder als Insider als auch Outsider des Kunstmarktes, gut vernetzt und gleichzeitig auf seltsame Weise alleine.

 

Vor den drei Tagen, die wir uns in Dublin aufhielten, wohnten wir an der Westküste in der Nähe von Sligo, eine von den Wikingern gegründete Stadt. Der irische Name Sligos „Sligeach“ bedeutet „Platz der Muscheln“. In der Nähe erheben sich zwei der literarisch bekanntesten Berge Irlands, Knocknarea und Ben Bulben. Auf dem Knocknarea befindet sich das Grab der mythischen Königin Medb, unterhalb liegt Carrowmore, eine megalithische Nekropole. Ben Bulben, ein markanter Tafelberg, der viele Menschen (auch uns) zum Umwandern einlädt, wurde beispielsweise von William Butler Yeats, dem irischen Nationaldichter und Nobelpreisträger kurz vor seinem Tod in den 1930ger Jahren besungen („Under Ben Bulben“). William Butler Yeats und sein Bruder Jack, beide Söhne des Portraitmalers John Butler Yeats, sind im County Sligo aufgewachsen – das vielbesuchte Grab des Dichters liegt unterhalb des Ben Bulben. Jack Butler Yeats, von dem wir in Dublin vorwiegend Gemälde gesehen haben, war zudem ein großartiger Graphiker. Einige seiner Illustrationen für die zwischen 1908 und 1915 monatlich erschienene Zeitschrift „A Broadside“ konnten wir in Museum The Model in Sligo bewundern.

 

Ebenfalls in Sligo hatten wir in der Hamilton Gallery das Glück, die herausragende Ausstellung „Lapse“ des visual artist Páraic McGloughlin erleben zu dürfen: meist großformatige, ungeheuer ausdrucksstarke Portraits (paraicmcgloughlin.com).

 

Während unserer Zeit im County Sligo machte uns unser herzlicher Gastgeber, der Graphiker, Schreiner und Zimmermann Robert van den Elst, mit der sympathischen Naomi McBride bekannt, einer Herrscherin über alle hohen Künste der Malerei (naomimcbride.com).