POLSKA 3

Zawada/Gmina Myslenice, województwo małopolskie, Polska

 

 

 

Die sechsundvierzigste Woche unserer Reise: Montag, 16. bis Montag, 23. September 2019 –

 

 

 

Die Tage und Nächte werden spürbar kälter und immer öfter sehen wir nun gelbe Farbtöne im Spätsommergrün.

 

Auch unsere zweite Woche in Polen füllten wir mit Proben für die kommenden Clown-Shows und herausfordernde Stunden vor der Staffelei. Zweimal besuchten wir wieder Kraków, in dessen historischen Stadtvierteln wir uns nun einigermaßen zurechtfinden. Natürlich sahen wir uns im Nationalmuseum Lionardos Portrait der Cecilia Gallerani, die „Dame mit dem Hermelin“, an – ein perfektes Studienobjekt, um die Maltechniken der Renaissance zu verstehen – und zugleich ein wunderschönes Bild. Am gleichen Ort nutzten wir die Gelegenheit, polnische Malerei und Akademie-Zeichnungen der vergangenen 150 Jahre kennenzulernen. In völliger Unkenntnis jeglicher Künstlernamen fanden wir qualitativ sensationell gute Beispiele aller uns aus dem westlichen Europa bekannten Stilrichtungen und künstlerischen Entwicklungen wieder – mit Ausnahme natürlich des Sozialistischen Realismus.

 

Und wieder beschäftigte uns die jüdische Geschichte. Die deutschen Angreifer hatten in Kraków südlich der Weichsel im Stadviertel Podgórze ein Ghetto für jüdische Einwohner errichtet, in dem zwei Jahre lang ungefähr 15000 Menschen gequält, ermordet und zur Deportation in Konzentrationslager selektiert wurden. Nachdem sie von nationalsozialistischen Soldaten und nichtjüdischen Einwohnern der Stadt enteignet und bestohlen worden waren, hatte man sie auf einem Terrain von 400 x 600 Metern zusammengezwungen, einem Teil der Stadt, in dem zuvor 3000 Menschen wohnten. Heute können noch Reste des Ghettos besichtigt werden. Auf dem Plac Zgody, dem Platz der Ghettohelden, fanden die Selektionen statt. Heute dient er als Hommage für die hier misshandelten und getöteten Menschen. Das von den Architekten Piotr Lewicki und Kazimierz Latak entworfene Denkmal, in gewisser Weise eine Fortführung der Arbeiten des 1990 verstorbenen Künstlers Tadeusz Kantor, besteht aus 70 leeren Stühlen. Über den gesamten Platz verteilt, erinnern sie an die Situation der letzten Deportationen und Morde, in der Möbel und andere persönliche Gegenstände von deutschen Soldaten aus den Fenstern der geräumten Häuser auf die Straße geworfen wurden.

 

Am vergangenen Freitag startete ich abends zu einer kurzen Fahrt nach Würzburg. Ich besuchte dort meine Mutter, die zurzeit in der Nähe in einer Klinik behandelt wird und nahm am Treffen meiner ersten Schulklasse teil – im schönen Lokal „Schützenhof“ unweit der „Neuen Welt“. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1959 hatte die Malerin Gertraud Rostosky in diesem gastfreien Haus Künstler und musisch Ambitionierte empfangen. Am Morgen des Sonntags nahm ich mir dann vier Stunden Zeit, um die Innenstadt von Prag zu erwandern – auf den Spuren von Rainer Maria Rilke, Franz Kafka und dem kleinen Maulwurf des Zeichners Zdeněk Miler.