SELINITSA 1

Lavrion, Athen und Selinitsa in Messenien auf der Peloponnes, Griechenland

 

 

 

Die sechzigste Woche unserer Reise: Montag, 30. Dezember 2019 bis Montag, 06. Januar 2020

 

 

 

Die letzten Tage des Jahres waren in Griechenland gleichzeitig die kältesten. Wir überstanden sie in Athen, schoben uns in Menschenmengen über die von verschneiten Bergen umzingelte Akropolis und wärmten uns in Museen und Cafés wieder auf. Mit unvergesslichen Erinnerungen an Monumentalität (die Propyläen, der Niketempel, der Parthenon) und Schönheit (die Karyatiden des Erechtheion) kehrten wir am Silvester-Abend nach Lavrio zurück. Während wir uns zum Verarbeiten der starken Eindrücke nach Ruhe und Abgeschiedenheit sehnten, erlebten Felix und Darainis den Jahreswechsel inmitten der feiernden Großstadt. Am Abend des Neujahrstages kamen dann auch sie mit dem Bus in Lavrio an – in einem kalten Sturmwind, der einige Tage und Nächte anhielt. Den Start in die wilden Zwanziger Jahre begingen wir mit einem Festessen, zu dem jeder einen Teil beisteuerte. Darainis sorgte für fantasievolle Getränke, ich für europäische Vorspeisen, Felix kochte ein afrikanisches Reisgericht und Uta zauberte einen mediterranen Kuchen. Bevor die Kinder am Freitag zurück nach Deutschland reisten, nutzten wir die verbleibende gemeinsame Zeit zum Reden, Spielen und für einen erneuten Ausflug zum Poseidon-Heiligtum am Kap Sounion. Im Café unterhalb des Tempels entdeckte Uta ein weiteres Getränk mit Mastix-Geschmack (weiße Schokolade)! Mit Felix räucherte ich schließlich unsere Wohnung aus – inklusive der kleinen Kapelle hinter der Küche. Nachdem wir vom Flughafen zurückgekehrt waren, trafen wir uns noch mit Maria und Anastasios im Nachbarort Keratéa. Die beiden weihten uns hier in die Geheimnisse der Arvane-Kochkultur ein – im Ursprung albanisch, seit mehr als 200 Jahren aber griechisch – ein Beispiel gelungener Assimilation!

 

Seit Freitag hat sich der Sturm gelegt. Die Millionenschar weißer Hauben, die der Wind den Wellen aufgesetzt hat, sind weggeblasen. Die Ägäis wiegt und streckt sich wieder in ihren unergründlichen Blautönen.

 

Gestern verabschiedeten wir uns von unseren bezaubernden Gastgebern und von Attika. Über den Golf von Korinth gelangten wir dann auf die Peloponnes, die wir fast bis an eine ihrer südlichsten Spitzen, die Mani, durchmaßen. Wir ließen uns in dem kleinen Fischerdorf Agios Nikolaos nieder, das die Einheimischen Selinitsa (der kleine Mond) nennen. Im Nachbarort Stoupa hat der Schriftsteller Nikos Kazantzakis eine Zeit lang gelebt und gearbeitet. Sein bekanntester Roman Alexis Sorbas (1946) wurde 1964 mit Anthony Quinn in der Hauptrolle verfilmt.