ANALOG 5

Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda

Die fünfte Woche: Montag, 10. bis Sonntag, 16. November 2025

 

Sonne, Meer und ein üppiger Garten. Das sind die Koordinaten, zwischen den wir uns bewegen. Allerdings erst nachdem Utas Atelier gestrichen war. Dieser lichterfüllte Raum beherbergt Wände, eine Zimmerdecke, vier Fensterkästen, eine kubusförmige Nasszelle und diverse verborgenen Ecken, die natürlich vor der Behandlung ausgeräumt und gesäubert wurden. Diese Aufgabe hat uns zwei Tage gekostet und einen motorischen Gegenpol gebildet zum stundenlangen Stehen vor der Staffelei und dem ebenso langen Sitzen am Schreibtisch. Körperlich ausgeglichen halfen wir sodann Freunden bei der Olivenernte, eine vergleichsweise entspannende Tätigkeit, wenn man sie nicht jeden Tag ausüben muß. 

Da meine Bänder und Gelenke bei diesen sportlichen Aktivitäten erwartungswidrig gut kooperierten, unternahm ich am Donnerstag mit Flocke eine Wanderung von Stoúpa nach Ágios Nikólaos, unseren Nachbardörfern. Der Küstenweg, gesäumt mit Mastixsträuchern, führt entlang einer steilen felsigen Küste mit steter Aussicht über die Meeresbucht hinüber zur Messenische Halbinsel und nach Süden zu auf die Akrópolis von Ágios Nikólaos. Am Hafen angekommen, entschied ich mich für die verschlungenen Gassen, denn es sind noch immer einige Urlaubsgäste im Ort unterwegs, für die an der Uferpromenade die Lautsprecher dudeln. Kurz vor Agriakóna, unserem Refugium, ließen wir uns von Uta auflesen. Auf dem Rückweg vom Tanzkurs kam sie die Landstraße entlanggefahren und mittlerweile war es stockfinster.

Nach ausgiebigem Genuss der Sonne widmeten wir uns in den nächsten Tagen schließlich Meer und Garten. Da am Freitag kein Wasser aus den Leitungen kam, stand kurzerhand Schwimmen in der nahen Pantazí-Bucht auf dem Programm. Zugegeben, es kostete anschließend Überwindung, den sonnenwarmen Liegestuhl wieder zu verlassen.

Sauber und salzig stürzte ich mich anschließend in den Garten. Allerlei Brennbares, das sich das Jahr über angesammelt hatte, wurde zusammengetragen und bildete schließlich einen zweiten mannshohen Haufen neben dem Abgesägten und Abgeschnittenen der vergangenen vier Wochen. Gestern entfachte ich dann das alljährliche Feuer; bei Windstille und einem erheblichen Teil feuchter Blätter eine schwierige Angelegenheit, denn im Unterschied zu den griechischen und albanischen Nachbarn verwende ich kein ARAL-Motoröl.

Heute blicke ich zufrieden zurück auf diese Woche, in der wir viel bewegt haben. Ich genieße das etwas zurückgezogene Leben, das mich mit der Natur verbindet und genügend Freiraum zum Schreiben und Malen läßt. 

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