ANALOG 6

23. November 2025

Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda

Die sechste Woche: Montag, 17. bis Sonntag, 23. November 2025

 

Jetzt, da auch die letzten Touristen abgezogen sind, stürmen mannshohe Wellentürme das Land und die breite Kiesbucht konvertiert zu einem feinen Sandstrand. Vorwitzige Gischtfinger haben sich bereits einiger der herumliegenden weißen Sonnenschirme bemächtigt, sie in Fetzen gerissen oder gleich mit hinaus genommen, in die Weite der Ionischen See, die sich bis hinüber nach Libyen erstreckt.  Bald wir der Strand wieder vollständig der Natur gehören.

Heute schreibe ich ausnahmsweise nicht von zuhause aus. Nach einem langen Tag vor der Staffelei ist Uta zu ihrer Tanzklasse nach Stoúpa ausgeflogen und ich habe die Regenlücke genutzt, um mit Flocke ins Dörfchen Ágios Nikólaos zu wandern. Bei Hades, meiner Lieblingskneipe sind wir hängen geblieben. Hier sitze ich nun vor den aus der Ferne anrollenden Wellenbändern, die mit wuchtigem Krachen gegen die Kaimauer branden. Ich besuche sehr selten ein Café oder ein Restaurant, zu sehr fesseln mich die spannenden Aufgaben, die sich täglich in Haus und Garten von Agriakóna anbieten. Am liebsten werkele ich doch in meinem Atelier im Olivenhain vor mich hin oder auf der Bank unter dem Feigenbaum. Uta unterscheidet sich in dieser Hinsicht stark von mir - sie liebt die Geselligkeit.

Zu den üblichen Arbeiten am Schreibtisch und im Atelier kamen in der zurückliegenden Woche die Montage von UV-Heizkörpern in Utas Studio und zahlreiche Gespräche mit den Künstlerfreunden Eric Schaftlein, Wim Scheere und Rolf Thärichen zur Organisation einer Ausstellung, die genau in einem Jahr in Tutzing am Starnberger See stattfinden soll. Auch für Projekte im Jahr 2027 laufen schon Vorbereitungen: Videokonferenzen mit Gepke und Arjan in den Niederlanden, Email-Korrespondenzen mit einer Künstlerkolonie in Ungarn und Schriftwechsel mit einer Galerie in Ravenna. 

Nachdem wir uns fast täglich auf den Hundespaziergängen begegnet waren, sind vorgestern unsere Nachbarn Monika und Robert mit ihrem weißen Schäferhund Drako nach Warschau zurückgeflogen, um noch am selben Abend mit ihrer Band Wilki auf der Bühne zu stehen. Nach den Monaten, in denen sie unter der griechischen Sonne gearbeitet haben, starten die beiden nun eine zweimonatige Konzerttournee. 

Eine relative Ruhe legt sich über das Land. Sobald aber am Abend die rote Kugel hinter dem Horizont versunken ist, beginnt das Meer zu brüllen.

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