ANALOG 8

Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda

Die achte Woche: Montag, 01. bis Sonntag, 07. Dezember 2025

 

Wieder blicke ich auf eine zweigeteilte Woche zurück; in den ersten Tagen profitierten wir von einer wärmenden Sonne, ab Mittwoch aber kam der Regen zurück, brachte Schatten und Kälte.

Noch bevor wir Lee O`Connors Künstlerhaus in Megáli Mantíneia am Montag verliessen, begegneten wir während des Hundespaziergangs einer prächtige Katzennatter. Sie lag an einer Böschung, umringt von rotschlammigen Pfützen, die sich nach den schweren Gewittern auf all den Terrassen gebildet hatten, die Menschen seit der Bronzezeit auf dieser Krumme geschaffen haben. Vermutlich wartete das Reptil auf das wärmende Licht. Es ließ nicht lange auf sich warten. 

Den Dienstag über stand ich malend an der Staffelei und saß in meinem vom Tageslicht erhitzten Atelier vor dem Computer. Agím, der treue Freund, arbeitete derweil an einer Steinmauer und ebnete den Grund für eine neue Lage schöner Sandsteinplatten. Bei diesen Arbeiten konnte ich ihm nicht helfen. Es gibt viele Dinge im Leben, die sich schneller erledigen lassen, wenn man alleine bleibt.

Dann kamen Regen und Gewitter zurück. Beides führt zu Stromausfällen und einem fragilen oder komplett unterbrochenen Intenet-Empfang. Ich nutzte die dunkle Zeit für administrative Arbeiten, schickte mit Wartezeiten und viel Geduld Übersetzungen für Einladungen an die Artists in Motion und zu meinem Compagnon Eric, formulierte Bettelbriefe an potentielle Unterstützende unserer Kunstprojekte und verhandelte per Fernsprecher und Email mit der Künstlersozialkasse. Am vierten Dezember ließ ich es mir nur gut gehen. Die Zeit verging endlich wieder langsamer und am Abend versank ich in einem Konzertmitschnitt von Chet Baker aus dem Jahr 1980.

Als sich die Wolkendecke am nächsten Tag hin und wieder öffnete, blieb ich skeptisch am Schreibtisch sitzen und schaffte erst im letzten Sonnenlicht einige Korrekturen an dem Bild, das ich für eine Ausstellung im kommenden Jahr in Koróni male. Gestern und heute lief es nicht anders: Schreiben und ein wenig Malen. Aber ich bleibe aufmerksam.

Agriakóna ist umstanden von verwilderten Olivenbäumen. Ihr Besitzer kümmert sich schon seit Jahren nicht mehr. Mittlerweile sind sie sogar unseren Obstbäumen über den Kopf gewachsen. Der Sturmwind gräbt in ihren Kronen. Das Wiegen und Winken gibt nach wie Haarbüschel unter dem trocknenden Föhn. Dabei sorgen Regenschauer beständig für Feuchtigkeit. Sie dringt durch das Geflecht der Zweige und Silberblättchen und schwärzt die im langsamen Tanz gewundenen Stämme. Sysiphos hat einen längeren Atem als wir dachten.

Noch ein letztes Wort. Ich bin überwältigt von all den Grüßen und guten Wünschen, die mich in meinem Exil erreicht haben. Ich danke Euch allen, die Ihr an mich denkt und hoffe, dass es Euch gut geht!

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