Analog 11

Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda

Die 11. Woche: Montag, 22. bis Sonntag, 28. Dezember 2025

 

Zwischen den Jahren, zwischen den Ländern. Morgen werden wir das Schiff besteigen, um nach Deutschland zurückzukehren. Wir befinden uns in einem Übergangs-Raum, der die Logik des Alltags transzendiert. Diese Woche des scheinbaren Stillstands führt uns das Vergehen der Zeit besonders deutlich vor Augen.

Die besondere Zeit außerhalb der gewohnten linearen Zeitstruktur, begann mit der Wintersonnenwende, die Schwelle über die wir hinüberschreiten in ein neues Jahr. Unzählige Briefe verließen das Haus, Reflektionen über das Vergehen des Jahres und die eigenen Lebensmuster. 

Am Dienstag bot sich eine besondere Gelegenheit der „Ent-Zeitlichung“. Aus vielerlei Gründen fuhren wir über die Berge in die Stadt Kalamáta, wo, wie wohl überall in der westlichen Welt, der Konsumrausch regiert. Ein kurzer Abstecher zum Bioladen führte durch die Einkaufsmeilen, in denen ferngesteuerte Menschen unter einem akustischen Hagelsturm amerikanischer Weihnachtspopmusik grell gefärbte Plastiktüten umhertrugen. Rettung und Erlösung vom Dogma des perfekten „deals“ fanden wir anschließend in der Agorá, wo es nur Lebensmittel gibt. Hier trafen wir nur noch wenige Menschen. Später saßen wir völlig alleine im Fischrestaurant und speisten unbehelligt von kommerziellen Schallereignissen köstliche Sardinen.

Der Nachmittag stand unter dem Eindruck einer langen und intensiven Konferenz mit dem Europäischen Kunstforum Oberbayern. Nach mehr als einem Jahr des Schreibens, des Wartens und der Verhandlungen erhielt ich endlich die Zusage für eine Ausstellung im Herbst 2026 - und konnte mich von einer weiteren Konventionen lösen, die das alte Jahr geprägt hat.

Dann räumte auch die Natur gründlich auf, unterzog Wasser, Luft und Erde einer Reinigung. Als in den frühen Morgenstunden des Donnerstags der Sturm abebbte und die Elektrizität zurückkam, trat ich verwundert vor die Tür, denn die Wellen donnerten so laut, als ob die Fluten geradewegs gegen das Haus schlügen.

Am Freitag kamen Holly und Nemo zu Besuch, die Künstlerfreunde, die seit einiger Zeit nach Athen umgezogen sind. Auch mit ihnen erlebten wir eine kulturell und philosophisch aufgeladene Zeit; gesättigt freilich auch mit kulinarischen Exzessen, denn wir hatten uns gegenseitig dazu eingeladen, füreinander zu kochen. Nach dieser so fröhlichen und intensiven Begegnung haben wir die beiden heute nach Kalamáta gefahren, von wo sie den Bus zurück in die große Stadt nahmen.

Nun widmen wir uns einer weiteren Form, die Beziehung zu Zeit, Leben und Selbst neu zu verhandeln: wir packen die Koffer.

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