AGRIA 5

Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda

Die fünfte Woche: Freitag, 13. bis Donnerstag, 19. Februar 2026

 

Und wieder erlebten wir einen steten Wechsel von Regen- und Sonnenwetter. Reißende Bäche und stürmende Wellen gestalteten das Land täglich neu und die feuchte Erde gebar in Verbindung mit den milden Temperaturen so manches grüne Wunder. Am Dienstag entdeckte ich morgens auf dem Rückweg vom Strand den ersten wilden Spargel. Uta verfeinerte damit ein Omelette, während ich mich unter der Dusche aufwärme.

Am Sonntag war die Bucht in einer monumentalen Staubwolke versunken. Zwischendurch spülten Regengüsse die grau-braunen Partikel über Gärten und Häuser. Hügel, Berge und die gesamte Messenische Halbinsel blieben bis zur Mittagszeit komplett verhüllt. Zugleich fegten starke Windböen über die Baumwipfel hinweg. Es herrschte eine dionysische Atmosphäre, die prächtig zum christlichen Karneval passt. Zwar hat die orthodoxe Kirche versucht, die Dionysien zu verdrängen und zu unterbinden, trotzdem wurden bestimmte Bräuche im populären Glauben übernommen. Die dionysische Ekstase wurde in einigen der griechischen Traditionen in volksnahe Fastnachts- oder Karnevalsbräuche umgedeutet, die dem christlichen Osterfest vorausgehen. Es gab gute Gründe für diesen synkretistischen Prozess, denn um Menschen zu bekehren, musste man an deren Lebensrealität anknüpfen. Ein radikaler Bruch mit allen Traditionen hätte zu viel Widerstand erzeugt. Außerdem konnten Christen in Zeiten der Verfolgung ihre Symbole so gestalten, dass sie für Außenstehende wie harmlose dionysische Verzierungen aussahen, während sie für Eingeweihte einen tiefen religiösen Sinn hatten. Im vollen Bewusstsein dieser Zusammenhänge fuhr Uta also am Sonntag-Nachmittag nach Kardamíli, um sich auf dem Karnevalsfest dem ekstatischen Tanz anzuschließen.

Am Abend dann wechselte das Theater binnen einer Stunde das Dekor und ein Himmels-Spektakel nahm seinen Anfang, wie es Gianbattista Tiepolo nicht besser hätte malen können. Für die Dauer einer halbe Stunde wähnte ich mich in das Jahr 1970 zurückversetzt und streckte meinen Hals den Gemälden im Treppenhaus der Würzburger Residenz entgegen.

An einem der eher trockenen Tage habe ich Uta wieder zu einem Restaurant begleitet; diesmal zu Éllis Géfsis in den Fischerhafen von Ágios Nikólaos. Akustisch eingebettet nur in Wellenplätschern und ein wohltuendes griechisches Stimmengewirr genossen wir Moussaká und gebratenes Lamm. 

Gestern hatte sich der Regen Meter für Meter in die Berge zurückgezogen. In der Früh fuhren wir nach Kalamáta, um den erstaunlichen Maler Vasílis Karizónis zu treffen. In einem Café wurden Details zu der für Juli in Koróni geplanten Ausstellung besprochen, die er organisiert. Anschließend zeigte er uns eine große Anzahl an Fotografien seiner Gemälde. Mittags kauften wir auf dem Markt Gemüse und Fisch, bevor wir im Fischrestaurant Blé Garída einen köstlichen bodenständiges Mesimerianó zu uns nahmen. Auch hier trafen wir nur auf griechische Gäste - eine Atmosphäre, die ich sehr genoss.

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