Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda
Die sechste Woche: Freitag, 20. bis Donnerstag, 26. Februar 2026
Drei Ereignisse haben die zurückliegende Woche geformt: Utas plötzliche Erkrankung, die täglichen Schreibarbeiten zur Vorbereitung der kommenden Kunstprojekte und der Besuch im Naturreservat bei Pylos.
Am Donnerstag noch war Utas Zunge durch eine allergische Reaktion angeschwollen; im Kéntro Igías von Ágios Nikólaos hatten wir eine Erste Hilfe und medikamentöse Therapie gefunden. Uta war gerettet, blieb aber körperlich geschwächt. Ich malte und schrieb. Es regnete in Strömen.
Am Samstag wurde die Regenzeit endlich wieder von trockenen Stunden unterbrochen. Ich begann damit, die Wiese zu mähen, die massiv gewachsen war, erschloss einige Gedichte von Jannis Ritsos und malte. Bei jeder Gelegenheit hörte ich Beatles-Radio, um die Depression in Schach zu halten.
Am Sonntag konnte Uta Flocke schließlich wieder zum Hunde-Training nach Kardamíli ausführen. Ich widmete mich weiter dem Schreiben und Malen. Weil die Sonne schien, gab es wieder Gelegenheiten, im Garten zu arbeiten.
Dann kam Montag, Katharí Deftéra, der letzte große Feiertag vor Karneval. Mittags trafen wir wieder den Künstlerfreund Vasíli bei Mezé in Ágios Nikólaos, um Details für die Ausstellung in Koróni zu besprechen. Uta präsentierte ihm die Originale ihrer Exponate.
Kurz nach 14 Uhr erreichten wir Kampinári beim nahegelegenen Dorf Plátsa, wo eine Live-Band griechische Lieder spielte und bunte Drachen in den Nachmittag entlassen wurden, alle gekauft und aus Plastik. Relikte der Ignoranz, deren zerfetzten Reste wie ihre Vorläufer für Jahre in den umliegenden Zäunen und Büschen hängen bleiben werden. Während ich in der endlich wieder geöffneten alten Kirche und auf dem Platz davor Skizzen anfertigte, gesellte sich Uta zu den Tanzenden und feierte auf ihre Weise das Leben.
Der Dienstag präsentierte sich als ein strahlender Sonnentag. Während Uta das Haus putzte, mähte ich die restliche Wiese und schnitt die von den Stürmen beschädigten Stauden aus. Später fand ich wieder zum Malen.
Seit Mittwoch ist Uta wieder gesund - ein Ausflugstag! Der obligatorische Hundespaziergang führte uns entlang des legendären Strandes Paralía Tríta Pítsas nördlich von Kardamíli. Mit Blick auf das weit entlegene Haus, in dem der Künstler Franz Paki lebt, lasen wir einige der vom Meer vollkommen rund geschliffenen Steine auf. Dann brachen wir auf zur Fahrt zum Límni Diváli-Váltos, einem Wildtierreservat in der Bucht von Pylos. Während der Bronzezeit lebten in der damaligen Metropole bis zu 120.000 Menschen. Heute regieren neben dem touristischen Luxus Flora und Fauna. Trotzdem hier seit Menschengedenken Häuser stehen, kommen jedes Jahr unzählige Zugvögel an, um zwischen dem südlichen Afrika und Europa eine längere Rast einzulegen. Jetzt, im Februar, treffen wir auf die Wintergäste: Schwäne, diverse Reiherarten und Flamingos. Am Paralía Boidokiliá, dem Strand entlang der Ochsenbucht, geniessen wir eine spektakuläre Sicht auf türkisblaues Wasser, Dünenberge und Felsen. Während einer dreistündigen Wanderung erspähen wir sieben Menschen und kommen nur einem davon näher, einem älteren griechischen Mann, der zum Schwimmen in die Bucht von Navarínou gekommen ist. Er misst die Temperatur und verkündet vor dem Eintauchen: „19 vathmoí“.
Nachhaltiger als die 12.000 Generationen, die vor uns hier lebten, werden die Menschen der letzten 50 Jahren diese Gegend verändern. Ja, sie werden sie prägen, mit Kunststoffpartikeln bis zu der Größe der Amphoren, die an diesen Ort unzählige Male angespült wurden und mittlerweile längst zu Staub zerfallen sind. Gestern haben wir Videos angesehen, über diese touristisch reichhaltig ausgebeutete Bucht. Aus kommerziellen Gründen war nur Schönes zu sehen, ja Sensationelles! Wer hier den Blick aber nur ein wenig senkt, muss sich mühen, um Muschelschalen von Plastikpartikeln unterscheiden zu können. Hinter dem ersten Dünenwall umkränzen Plastikflaschen Büsche von Thymian und Stechpalmen.
Falls es jemanden interessiert: Es gibt einen Weg, die Natur vor der hirnlosen Konsumlust der Menschen zu schützen. Es ist nicht kompliziert. Hier in Griechenland muss man dazu nur zwei Worte kennen: „Ochi“ (Nein) und „Efcharistó“ (Danke). Jeder Mensch kann das sagen, wenn jemand versucht, uns eine Plastiktüte, eine Plastik-Wasserflasche oder irgendeinen anderen in Konsumbequemlichkeit eingelullten Müll anzudrehen.

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