Káto-Rígklia, Dytikí Máni, Elláda
Die neunte Woche: Freitag, 13. bis Donnerstag, 19. März 2026
Freitag. Früh brechen wir nach Kalamáta zur Autovermietung auf. In Aspróchoma, einem Vorort, übernehmen wir ein intaktes Fahrzeug, zwar um einige Zentimeter kürzer als der ursprünglich georderte Wagen, aber einsatzfähig. Mit dem vergleichsweise luxuriösen Van erreichen Uta und ihre Mutter nach drei Stunden wohlbehalten Athína und den Flughafen. In der Zwischenzeit besuche ich den Künstler Franz Paki auf seinem wild-romantischen Anwesen in der Bucht von Kardamíli. Ich genieße jede Minute der Begegnung mit diesem Mann, der sich Zeit für mich nimmt, genau zuhört und die eigenen Worte mit Bedacht wählt. Später kehre ich zurück zu Flocke, die pflichtbewusste Wächterin über Argiakóna. Bis zum Regenbeginn am Abend räume ich hier die Garage um, sodaß Platz für die Einzelteile entsteht, in deren Gestalt Uta das neue Gartenhäuschen anliefern wird. Als sie nach Einbruch der Dunkelheit eintrifft, reichen ihre Kräfte gerade noch für ein kurzes Abendmahl.
Samstag. Unter einem grauen Himmel überqueren wir morgens wieder die zwei Gebirgspässe und bringen den Leihwagen zurück. In Kalamáta nehmen wir die Gelegenheit wahr, ein frisch gerahmtes Bild abzuholen, das Uta im Sommer einer Sammlerin, die in Wien lebt, ausliefern wird. Zu früher Mittags-stunde genießen wir dann die bodenständigen Kochkünste des „Ble Garída“ an der Àgora. Wieder zuhause, setzte ich mich an die Schreibarbeiten mit dem Fokus auf der für Herbst geplanten Ausstellung im Europäischen Kunstforum. Zwischendurch erscheint unser Nachbar Sigi. Von ihm haben wir die Idee des Gartenhäuschens übernommen, das er vor kurzem selbst in seinem Garten errichtet hat. Er hatte angeboten, uns beim Aufbauen zu helfen.
Sonntag. Endlich scheint wieder die Sonne! Ein idealer Tag für das „Man-Trailing“, einer Art Hundetraining, zu der sich heute einige Frauen in Kardamíli treffen. Am Nachmittag fährt Uta nach Stoúpa zum griechischen Tanzkurs. Zwischendurch gilt ihr Augenmerk weiteren Vorbereitungen der Clowns-Reise, die am kommenden Donnerstag beginnen wird. Ich schreibe, führe Flocke zweimal aus und kümmere mich, wie jeden Tag, um Haushalt und Küche.
Montag. Wieder trübes Wetter; im Morgengrauen fallen ein paar Tropfen. Nach dem Griechisch-Unterricht warten wir auf Sigi, der sein Kommen angekündigt hat. Gegen 14 Uhr erscheint er und begleitet Uta zu Poulákos nach Ágios Nikólaos, um Material einzukaufen. Dann arbeiten wir eine Stunde lang an der Vorbereitung des Untergrundes. Als er um 16 vergnügt den „Feierabend“ ausruft, sind wir ihm trotzdem dankbar, denn er hilft uns aus Freundschaft. Für die folgenden Stunden sitze ich wieder am Schreibtisch und kann Uta schließlich eine frohe Botschaft übermitteln: Die Jury des Europäischen Kunstforums hat sie auf der Grundlage der eingereichten Entwürfe zur Teilnahme an der Herbst-Ausstellung eingeladen.
Dienstag. Die Nacht bleibt stürmisch und feucht. Einige der im Garten gelagerten Bauteile für das Dach des Gartenhäuschens ziehe ich am Morgen aus den Lavendelbüschen. Mit eisiger Hand greift der Anatolikós schon seit Stunden in das weite Meer der Baumkronen, um die Kulturlandschaft aufzuwühlen. Seinen breiten Pflug führt er direkt von der Bergscharte aus, in der sonst die Sonne aufgeht. In den nach Osten aufgerichteten Meeres-buchten glättet er die antreibenden Wellen zu einem petrolfarbenen Spiegel. Erst weit draußen beginnen sich inmitten der bleiernen Grauzone zaghaft weiße Kronen gegen den Sturm aufzubäumen. Am Ufer spielt er mit zwei Bekassinen Federball. Scheinbar unermüdlich, aber aussichtslos, versuchen die Vögel aus eigener Kraft Distanz zur Wasserlinie zu gewinnen. Schutz finden sie nur im Schatten der zahlreichen Felsblöcke, die die ballistische Bahn unterbrechen. Hier sammelt sich auch der ursprünglich über das Land verteilte Konsummüll. Dem Wind gelingt, was die Menschen nicht vermögen: er kehrt ihn zusammen. Einige blaue und grüne Müllcontainer, Früchte ihrer sparsamen Bemühung, hat er über die Straße in Richtung Felsufer gerollt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie umkippen. Dieses Wetter gehört untrennbar zum Charakter der Máni. Und die wasserscheue Flocke, die sich obendrein vor Windstößen fürchtet, profitiert davon. In Kombination mit dem Nieselregen greift der Sturm reinigend in ihr Fell ein.
Mittwoch. Wir haben versäumt, die nasse Wäsche von der Leine zu nehmen. Über Nacht hat sie die Farben des Schlammregens angenommen, der sich über das Land ergossen hat. Als Sigi am Vormittag kommt und wir damit beginnen, die erste Eckwand des Gartenhauses zu errichten, kann ich kaum etwas sehen. Die in der feuchten Luft herumschwirrenden Partikel verkleben meine Augen. Mittags müssen wir die Arbeit unterbrechen, denn der Regen kehrt zurück.
Donnerstag. Unter einem Wolkenbruch fahre ich mit Uta nach Kalamáta zum Busbahnhof. Hier beginnt ihre diesjährige Tournee mit den „Clowns ohne Grenzen“. Nach dem Abschied treffe ich den Künstler und Kurator Vasíli Karizónis im καφέ Sante. Es gibt viel zu besprechen. Neben den gemeinsamen Ausstellungen kommen wiederholt technische und philosophische Themen auf den winzigen Bistro-Tisch. Die Konversation beginnt stets in griechischer Sprache. Weil ich hier aber kaum über Gemeinplätze hinauskomme, flechte ich bald englische Worte ein. Nach einiger Zeit wechselt auch mein Gesprächspartner die Sprache, um aber ins Griechische zurückzukehren, wenn auch ihm die korrekten Begriffe fehlen. Nach zwei emotionalen und gestenreichen Stunden verabschieden wir uns. Bevor ich zurück in die Máni fahre, kaufe ich auf der Ágora noch Kartoffeln und Brot. Zuhause freut sich Flocke über meine Rückkehr, reckt die Nase in die Regenfluten und nistet sich ausdauernd auf dem Sofa ein.
Für die kommenden Tage und Nächte sind einstellige Temperaturen vorhergesagt. Zwischendurch soll es aber Regenpausen geben. Ich hoffe, wir werden am Gartenhaus weiterarbeiten.

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