KLAUSEN UND TRIESTE

Trieste, Via dei Giustinelli 6 -

 

Die erste Woche unserer Reise: Montag, 05. bis Montag, 12. November 2018 -

 

Heute schreibe ich den ersten gerafften Rückblick auf die Ereignisse der ersten Woche unserer Reise durch Europa. Ich werfe Blicklichter auf wenige der zahlreichen Begegnungen und Erfahrungen, die wir in dieser Zeit erleben durften. Detailreicher und in vielerlei Hinsicht intensiver fallen die Aufzeichnungen aus, die wir in unseren Tagebüchern, Skizzen, Zeichnungen und Gemälden festhalten. Stück für Stück werden wir die Struktur einer fragmentarischen Erzählung entwickeln, die von europäischen Künstlerkolonien berichtet, eingeschrieben in räumliche und zeitliche Diskontinuitäten.

 

Die Monate der Vorbereitungen zu dieser Reise hatten sich vorhersehbar, aber plötzlich in wenige Stunden verdichtet. Wie ferngesteuert wurden an den beiden Tagen vor dem Absprung Handgriffe, Kontrollgänge durchs Haus und zum Auto vollzogen bis endlich auch – kurz vor Garmisch-Partenkirchen – ein Bewusstsein dafür entstand, was hier mit uns geschieht: wir sind unterwegs.

 

An den Landesgrenzen zu Österreich und Italien fotografierten wir und nahmen Frottagen von den Grenzsteinen ab – physische Spuren der historischen Abgrenzung, die später künstlerisch zu einem Ausdruck der Zusammengehörigkeit im heutigen Europa verarbeitet werden. In den unterschiedlichen Ländern Europas suchen wir nach Traditionen, aktuellen Kunstprojekten und einen friedlichen Austausch.

 

Unsere erste Station ist Klausen/Chiusa, der uralte Ort an der Straße vom Brennerpass nach Italien. Die euroArt-Künstlerkolonie, identifiziert sich heute vorrangig mit den Künstlern, die hier von 1874 bis 1914 wirkten – Männer (!), die sich insbesondere um die noch heute renommierten Maler Alexander Köster und Ernst Loesch versammelt hatten. Der Direktor des sensationellen Klausener Stadtmuseums Dr. Christoph Gasser und seine Mitarbeiterin Lara Toffoli empfingen uns während der vier Tagen unserer Recherche immer wieder herzlich in ihrem Haus und informierten uns schier unerschöpflich und mit unvergleichlichem Charme. Lara Toffoli gestattete mir, im Kreuzgang des Kapuzinerklosters, das das Museum heute beherbergt, Frottagen abzunehmen. Noch einmal sagen wir: vielen Dank für die kostbare Zeit, die Sie uns geschenkt haben!

 

Wir lernten, dass in Klausen eine Tradition des künstlerischen Ausdrucks besteht, die weit in die Geschichte zurückreicht – beispielsweise zu Albrecht Dürer – und die auch heute noch lebendig ist. Beispielhaft für viele Kunstschaffende in der Region tauschten wir uns mit drei Künstlern aus, die derzeit in Klausen ausstellen oder arbeiten:

 

Giancarlo Lamonaca, der derzeit an dem Projekt arssacra teilnimmt – seine Arbeit One Minute Later ist bis Ende November 2018 in Lajen/Laion zu erleben (www.lamonaca.it).

 

Sonya Hofer, wohnhaft in Klausen, eine großartige Malerin und Plastikerin, die uns großherzig durch ihre erstaunliche Atelierwohnung führte, in der sie neben Arbeiten ihres verstorbenen Mannes Lesley de Vries einen Querschnitt ihres Schaffens bis zu den aktuellen Werken zeigte.

 

Horst Steinhauser, der gemeinsam mit Irmgard Gamper Delmonego und Marius Spiller eine Künstlergruppe in Klausen bildet, die regelmäßig ausstellt, auch mit weiteren Künstlerinnen wie beispielsweise Astrid Gamper oder Elisabeth Frei (www.elisabethfrei.com, www.astridgamper.com, www.lajen.info/smartedit/documents/download/info-horststeinhauser.pdf, www.mariusspiller.it).

 

In Klausen hatten wir wenig Zeit für uns und unsere eigenen Arbeiten. Die Zeit vor unserer Abreise kostete viel Kraft. Daher nahmen wir uns für unsere zweite Station, die Stadt Triest an der slowenischen Grenze, mehr Zeit für uns und besuchten deshalb keine Künstler. Wir lebten uns in das Altstadtviertel um die alte armenische Kirche ein, zeichneten in Kaffeehäusern und malten auf unseren Staffeleien. Wir unternahmen ausgedehnte Spaziergänge, kauften in den wunderbaren kleinen Lädchen ein und kochten frischen Fisch. Triest hat uns begeistert mit seiner Mischung aus italienischen und österreichischen Traditionen, und einer bodenständigen wie spritzig-lebendigen Gegenwart. Am Ende wären wir gerne länger geblieben. Wir beschließen, wieder zu kommen.