EL CHAPARRAL 1

El Chaparral, Parque Natural del Estrecho -

 

 

 

Die dreizehnte Woche unserer Reise: Montag, 28. Januar bis Montag, 04. Februar 2019 -

 

 

 

Von der Terrasse des bald 80jährigen Häuschens aus überblicken wir seit dem vergangenen Donnerstag das Westende der Straße von Gibraltar. Drüben auf der anderen Seite sehen wir Afrika, die Hochhäuser von Tanger - in den Nächten ein Streifen funkelnder Lichter. Wir haben das Mittelmeer hinter uns gelassen und schauen hinaus auf den atlantischen Ozean. Uns umgibt ein zwischen den Meeren gelegener Naturpark mit seinen überwältigenden Bergen, Wäldern, Weiden und Stränden. Es herrscht eine Atmosphäre des Friedens.

 

Vor einer Woche waren wir von den Salzseen bei Narbonne in Richtung Spanien losgefahren. Mit dem Überqueren der Pyrenäen verschwanden Regen und Kälte – der Sturmwind aber blieb bis zum Abend, als wir unser Etappenziel Castellón-de-la-Plana erreichten. Bis dorthin hatten wir Landschaften mit blühenden Mandelbäumen, Orangen- und Olivenplantagen durchquert – eine subtropische Vegetation, die wir bereits aus Italien und Südfrankreich kennen. In Castellón-de-la-Plana genossen wir Tapas und den von herrlichen gekachelten Bänken und Bronzebüsten verstorbener Maler geschmückten Ribalta-Park, der seit 1868 besteht. Francesc Ribalta (1565-1628) war ein katalanischer Maler, der lange Zeit als Sohn von Castellón galt. Mit der Renaissance wohlvertraut, war er einer der ersten spanischen Maler, die den italienischen Stil der Zeit nicht nachahmten. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ihren Realismus der Form und des Lichts und durch einfache Komposition aus. So wurde Ribalta zum Vorläufer der neuen Richtung spanischer Malerei, die ungekünstelte Einfachheit, dramatischen Inhalt und religiöse Hingabe zeigten. Im Ribalta-Park habe ich mit unserem Hund Coco, der nicht schlafen wollte, meine Nächte in spanischen Gärten erlebt: lyrisch und warm. Zu Manuel de Fallas impressionistischer Sinfonie Noches en los jardines de España hatte ich mir von Jugend an Bilder vorgestellt, die ich nun zu sehen bekam.

 

Als wir am nächsten Tag über Valencia ins Landesinnere vorstießen, setzte sich das Déjà-vu fort: wir erreichten die Mancha, die Region, in der Miguel de Cervantes Don Quijote seine Abenteuer erlebte. Daneben erstreckt sich hier das weitläufigste Weinanbaugebiet in Spanien und es gibt das größte Zinnobervorkommen der ganzen Welt. Mit jedem Kilometer in Richtung Norden wurde das Land staubiger, flacher und kälter. Ab Valdepeñas fuhren wir wieder in Richtung Meer und überquerten im Parque Natural de Despeñaperros die andalusische Nordgrenze. Nach dem Passieren bizarrer Gesteinsformationen und schier endloser Olivenfelder, die sich von der Sierra Morena bis an die Hänge der schneebedeckten Sierra Nevada ausbreiten, kamen wir am Nachmittag in Granada, der Stadt der Granatäpfel, an. Manuel de Falla lebte hier von 1921 bis 1939. Wir blieben zwei Nächte lang im Albaicín, dem ältesten Viertel der Stadt. Es geht in seiner Entstehung auf eine spätantike, vormaurische Siedlung zurück, wobei Mauerreste auf eine Besiedlung bereits zu Zeiten der Iberer und Römer schließen lassen. Nicht nur durch seine bekannte Aussicht auf Granadas Stadtburg Alhambra, sondern auch wegen der vielen kleinen pittoresken Gassen zwischen den überwiegend weiß getünchten Häusern zählt der Albaicín zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier wohnte von 1966 bis zu seinem Tod 1992 der belgische Maler Max Léon Moreau, dessen Bilder ich vor Jahren in Nizza gesehen hatte. Seit dem Tod seiner Frau kann sein Anwesen, die Carmen am Camino Nuevo de San Nicolás, mit ihren Einrichtungsgegenständen und Gemälden (Landschaften und Portraits) besichtigt werden. Natürlich haben wir uns viel Zeit zum Kennenlernen der Alhambra genommen. Besonders das von den maurischen Herrschern ab 1238 bis zur Eroberung durch die katholischen Könige im Jahr 1492 in Auftrag gegebene Gesamtkunstwerk aus Gärten, Architektur und Ornamenten begeisterte uns und klingt noch immer nach!