LAVRION 3

Lavrion und Athen, Attika, Griechenland

 

 

 

Die neunundfünfzigste Woche unserer Reise: Montag, 23. bis Montag, 30. Dezember 2019

 

 

 

Auch im Süden Attikas hält der Winter Einzug. Die Temperaturen sinken an manchen Tagen auf unter 10 Grad Celsius, an längeres Arbeiten auf der Terrasse ist nicht mehr zu denken. So ziehen wir uns immer öfter ins Haus zurück, genießen nach der Morgengymnastik ein literarisches Frühstück mit unseren Tagebüchern, Briefen und Texten über die griechische Antike, in deren Erbe wir wohnen. Natürlich gehen wir weiterhin mit Coco spazieren, an den überschaubaren Stränden und über der längst vergrabenen Stadt Thorikos.

 

Nachdem wir in der vergangenen Woche schon Tuchfühlung aufgenommen hatten – wir waren bei unserem Bekannten Kostas im östlichen Stadtviertel Papagou zu Gast – spazierten wir am 24. Dezember erstmals durch Athens Zentrum. Hier fanden wir bald zum Archäologischen Nationalmuseum, in dessen Schatzkammern wir uns staunend, lesend und zeichnend verliefen. Hier nutzten wir die einmalige Gelegenheit, die Entwicklung der griechischen Großplastik in Augenschein zu nehmen – anhand von Originalstücken vom sechsten vorchristlichen Jahrhundert bis zum Ende der Antike. Beeindruckt haben uns auch der freie Stil und die Farbenkraft der über 3550 Jahre alten Wandfresken von der Insel Thera (heute Santorini).

 

Als wir am Abend nach Lavrio zurückkamen, fanden wir vor der Türe Weihnachtsgeschenke vor, die unsere Vermieter dort für uns hinterlegt haben! Natürlich telefonierten wir sofort und verabredeten uns zum gemeinsamen Essen. Da aber bald der Öltank unseres Hauses leer war und deshalb die Heizung ausfiel, begegneten wir uns früher. Anastasios kam mehrmals bei uns vorbei, vertiefte sich in das Studium unserer Bilder, und legte uns eine Leinwand zur Beurteilung vor – er ist ein Kunstsammler. Ich überließ ihm meine Grafik „Giardinia“ (siehe Startseite dieser Website).

 

Am Abend dann holten wir meinen Sohn Felix und seine Freundin Darainis vom Athener Flughafen Elftherios Venizelos ab. was für eine Freude, die beiden wieder zu sehen! Natürlich kamen wir erst am frühen Morgen ins Bett, erwanderten am nächsten Tag aber tapfer das Kap Sounion. Innerhalb der antiken Festungsanlage umrundeten wir die Ruinen des Poseidon-Tempels. Nach einer Erfrischung am Hafen von Lavrio widmeten wir uns während des Nachmittags dem surrealistischen Spiel Cadavre Exquis bis wir am Abend Anastasios und seine Frau Maria trafen. Die beiden führten uns in ein winziges Restaurant, wo wir uns bei Fischen, Kalmar und Muscheln köstlich unterhielten. Am Ende des Abends lernten wir hier Masticha kennen, einen Likör mit dem Geschmack von Mastix, dem Gummiharz des Pistazienbaumes, das wir von den Farben kennen, die wir verwenden!

 

Seit gestern besichtigen wir Athen. Von unserem Stützpunkt aus, einem Gartenhaus in dem Wohnviertel, in dem einst Epikur, einer unserer Lieblingsphilosophen gewohnt hat, erreichen wir alle wichtigen Plätze zu Fuß: einen weitläufigen Park für Coco, den Akropolis-Hügel, das Akropolis-Museum und unzählige weitere Orte voller Überraschungen. So fanden wir ein Restaurant, das auf den ersten Blick wie ein Blumenladen aussieht. Es nennt sich Kepos (Garten) und lädt zum Kosten überraschend aromatischer Speisen ein. Im Andenken an Epikur, der nicht weit entfernt in seinem eigenen Garten gelehrt hat, traten wir ein und bestellten (natürlich unter strenger Berücksichtigung des hedonistischen Kalküls). Der Garten Epikurs lag in Nachbarschaft der Akademie des Platon. Wir gingen heute nordwestlich von der Akropolis durch das Dipylon-Tor die Straße Richtung Akademie, wurden aber nicht fündig, da der Kepos wohl überbaut ist.