SELINITSA 6

Selinitsa in Messenien auf der Peloponnes, Griechenland

 

 

 

Die fünfundsechzigste Woche unserer Reise: Montag, 03. bis Montag, 10. Februar 2020

 

 

 

Im Rahmen der wöchentlichen Zusammenkunft von Mitgliedern des Artsclub Stoupa trafen wir nun zum wiederholten Male die Zeichnerin und Malerin Evi Moustakea (artsclubstoupa.com/The-Artists/Evi-Moustakea/). Sie zählt zu den wenigen Künstler*innen, die die Region auch während der Wintermonate nicht verlassen. Gemeinsam mit der Textilkünstlerin Emily, Uta und Bill, dem Hades-Wirt, begannen wir heute mit den Vorgesprächen für ein Kunst-Event, das am Freitag, dem 28. Februar stattfinden soll: Kulinarik, Kunstausstellung und Performance.

 

Davon unabhängig nutzte Uta die zurückliegende Woche intensiv, um eine Auftrittsform zu entwickeln, in der sie sich als malende Clownin präsentieren kann. Und ich ließ mich als Bühnenpartner engagieren. Meine Bemühungen gelten seitdem dem Auswählen geeigneter Musikstücke und dem Einüben auf der kleinen Guitalele, die ich im vergangenen Jahr in Frankreich erworben hatte.

 

Am Donnerstag waren wir einer Einladung des Autoren Stuart Allen und seiner Frau Valerie in ein alteingesessenes Fischerlokal gefolgt, das Stuart in seinen Büchern „Smokey Joe’s“ nennt. Neben gutem, einfachem Essen lernten wir hier zwei amerikanische Emigrant*innen kennen, die auf den Spuren des Dichters Patrick Leigh Fermor vor einigen Jahren in das nahegelegene Kardamili gelangt waren. Angesichts der Schönheiten der Natur und des Dorfes hatten die beiden beschlossen, sich dort niederzulassen. Ihrem ausgeprägten Interesse für Literatur folgend, haben sie in Stoupa einen literarischen Zirkel von Gleichgesinnten um sich geschart, um kontinuierlich zeitgenössische und antike griechische Literatur zu lesen und zu diskutieren. Mit einer weiteren Gruppe schreiben sie selbst Texte, organisieren Symposien und Dichterlesungen. Parallel dazu kümmern sie sich um das ehemalige Wohnhaus Fermors, das heute als Museum interessierten Gästen offensteht.

 

Ich experimentierte in dieser Woche mit einer Mischtechnik aus Tusche und Ölkreiden auf Papier. Es entstanden Bilder mit Figuren aus der griechischen Mythologie: männliche und weibliche Baumgeister (Dryaden). Gemäß ihrer Wortbedeutung sind die Dryaden Nymphen der Eichenbäume, denn das griechische Wort δρῦς (drys) bedeutet „Baum“ oder „Eiche“. Hamadryaden wurden Baumnymphen genannt, die eng mit ihrem Baum verwachsen sind. Nach dem antiken griechischen Erzähler Pherenikos sind Hamadryaden die Töchter des Waldgeistes Oxylos und seiner Schwester, der Dryade Hamadryas (Inzest ist in der griechischen Mythologie an der „Tagesordnung“).