SELINITSA 10

Selinitsa in Messenien auf der Peloponnes, Griechenland und Santa Maria di Leuca, Italien

 

 

 

Die neunundsechzigste Woche unserer Reise: Montag, 02. bis Montag, 09. März 2020

 

 

 

Abschiednehmen von lieb gewonnenen Menschen und Zurückfinden zu einem Sehnsuchtsort – das waren unsere Aufgaben der zurückliegenden Tage.

 

Am vergangenen Montag trafen wir in einem Café in Stoupa zwei Agenten, spezialisiert auf das Vermitteln von Long Term Rentals. Wie einige Freunde und Bekannte werden auch sie nach einem Häuschen Ausschau halten, in dem wir wohnen könnten, wenn wir eines Tages nach Agios Nikolaos zurückkehren möchten.

 

Wie zuvor bereits an vielen anderen Orten, sammelte Uta in den umliegenden Feldern frische Blüten ein und verarbeitete sie in ihren schönen Bildern - währenddessen malte ich an dem Pentaptychon über die Baumnymphen weiter, das ich angelegt hatte, bevor unser Besuch eintraf. Die so begonnenen Bilder werden wir später an einem anderen Ort fertigstellen – Eindrücke ordnend und rückblickend auf den Süden Griechenlands.

 

Auch kulinarisch sorgten wir vor. Die von mir seit Monaten sorgsam gewässerten Oliven, eines der ungezählten Geschenke von Wassilios, dem Jäger aus Efpalio, wurden nun gewürzt und in Gläsern eingemacht. In den kommenden Wochen werden wir sie verspeisen – und dabei wertvolle Erinnerungen an Begegnungen mit Menschen und Orten wachrufen.

 

Noch einmal besuchten wir Valerie und Stuart zum Lunch auf ihrem feinen, kleinen Anwesen Meerkat Manor inmitten der Olivenhaine. Wie bereits gewohnt, kamen wir aus dem Lachen nicht heraus und genossen die Herzenswärme und schier grenzenlose Hilfsbereitschaft dieser beiden Freunde; später am Tag dann noch ein fröhliches Abschiedsessen – mit Lee und Tony, Emily und David. Den Abend vor der Abreise schenkte uns schließlich David Friedman, watercolor painter und aufmerksamer Zeitzeuge Nordamerikas seit den 60ger Jahren.

 

Am Morgen des Donnerstags brachen wir auf, nahmen den Weg in Richtung Norden. Und wieder registrierten wir mit ungläubigem Erstaunen, in welch außergewöhnlich schönem Landstrich wir die letzten zwei Monate gelebt haben. In weiten Teilen Griechenlands dagegen herrschen Zustände wie in Albanien und Italien: allerorten Bauruinen aus den zurückliegenden fünf Jahrzehnten, dazwischen neu erstellte Betonhäuser, blühende Gärten neben verschmutzten Brachflächen … und immer wieder in der Landschaft verstreuter Wohlstands- und Industriemüll. Mittags kamen wir in Olympia an, natürlich neugierig auf das Archäologische Museum und die Ausgrabungsstätten. Beide waren leider bis auf Weiteres geschlossen, da die Administration sich durch diese Maßnahme ein Eindämmen der Corona-Virus Epidemie versprach. Wir trösteten uns mit einem Besuch in der vorzüglichen Bücherei der Galerie Orphée und zogen uns, ausgerüstet mit neuem Lesestoff, in unsere Unterkunft zurück. Nach einer belesenen Nacht setzten wir unsere Tour-de-Grèce fort, vorbei an Patras und Nafpaktos (Lepanto), durchmaßen Westgriechenland und Epirus und erreichten am Abend im äußersten Nordwesten des Landes die Hafenstadt Igoumenitsa. Hier bestiegen wir die Fähre nach Brindisi in Puglia. Das mit Lastwagen gut befüllte Schiff erreichte Italien nach einer mehr als achtstündigen, teilweise stürmisch-turbulenten, Fahrt.

 

Nun sind wir nach Italien zurückgekommen, dem Sehnsuchtsland, in dem wir bereits einige Monate lang gewohnt und viele Abenteuer erlebt haben! Und im Salento, dem Absatz des italienischen Stiefels, finden wir tatsächlich Küstenabschnitte, an denen die Natur noch dominiert. Am südlichsten Punkt dieser Halbinsel lassen wir uns nieder, auf der Punta Meliso, wo seit Jahrtausenden schon Tempel standen – zu Ehren von Athena, Minerva und Maria, nahe der Scheidelinie zwischen der Adria und der Ionischen See.