LEUCA 2

Santa Maria di Leuca, Salento, Puglia, Italia

 

 

 

Die einundsiebzigste Woche unserer Reise: Montag, 16. bis Montag, 23. März 2020

 

 

 

Gestern ist uns im Garten der erste Wiedehopf begegnet - orange-braun-schwarz-weiß mit gebogenem Schnabel und aufgerichteter Federhaube! In diesen Tagen verlassen die Vögel ihre Winterquartiere südlich der Sahara oder in Indien und kommen nach Europa zurück. Die meisten von ihnen lassen sich dann in den mediterranen Ländern und in Russland nieder. In Deutschland, wo der Bestand des Wiedehopfs als gefährdet gilt, brüten zwischen 300 bis 500 Paare. Neben der feuchtkühlen Witterung macht dem Wiedehopf dort vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft zu schaffen. Die größte Gefahr geht vom hohen Pestizideinsatz und dem Verlust von extensiv genutzten Wiesen und Weiden aus. Außerdem findet der Wiedehopf oft keine geeigneten Bruthöhlen, zum Beispiel, wenn nicht mehr ertragreiche Obstbäume gefällt werden oder ältere Gebäude und Gemäuer verschwinden. Im Unterschied zu den Menschen, die sich im großen Stil gegenseitig an Flucht und Migration hindern, vermag der Wiedehopf aber seiner Not zu entfliehen und darf in für ihn geeignete Lebensräume ausweichen.

 

Bei pandemischen Gefährdungen jedoch existiert keine Fluchtmöglichkeit – weder für Vögel noch für Menschen. Die Zahl der durch das Corona-Virus in Italien bekannt gewordenen Todesfälle ist bis gestern auf über 5000 angestiegen – die höchste Sterberate auf der weiten Welt. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung hat die italienische Regierung ab heute ihre Maßnahmen gegen die Pandemie weiter verschärft. Zusätzlich zu den landesweiten Einschränkungen, u.a. der Ausgangssperre, die schon seit dem 09. März gilt, sollen nun bis zum 03. April auch alle Firmen und Fabriken schließen, deren Betrieb für das tägliche Leben nicht essenziell wichtig sind.

 

Die Ansteckungsgefahr ist groß. Unter den in Italien getesteten Personen hatten bis gestern Abend 59 138 einen positiven Befund. Da bei den meisten Menschen, die das Virus in sich tragen, aber schwerwiegende Symptome ausbleiben, ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten unbekannt. Das gilt natürlich auch für alle anderen Länder auf diesem Planeten. Deshalb bleibt es für jeden Menschen an jedem Ort wichtig, sich selbst und die anderen vor Ansteckung zu schützen, d.h. den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden, denn jeder kann bereits infiziert sein, ohne es zu bemerken.

 

Die Lungenkrankheit Covid-19 verläuft nur bei relativ wenigen Patienten tödlich, als besonders gefährdet gelten indes alte Menschen. Die überwältigende Mehrheit der an Covid-19 Verstorbenen waren ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Die italienische Bevölkerung gilt als eine der ältesten weltweit. Außerdem wohnen hier häufiger als in anderen europäischen Ländern die alten Menschen mit ihren Kindern und Enkeln unter einem Dach. Auch wenn sie sich nicht mehr täglich, wie die Jüngeren, in Menschenansammlungen begeben, beispielsweise in Schulen oder an Arbeitsplätze, bleiben sie durch diese besonderen Wohnverhältnisse einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt.

 

Noch sitzen wir fleißig vor unseren Bildern und Texten. Wie die Zugvögel werden wir aber auch bald aufbrechen zur Weiterreise in Richtung Norden.